My Mustard - Mein Senf
by Jay Phuhoi
EN
This article is a comment in response to the previous article
My Mustard
> However, the politically and culturally practiced culture of remembrance is also strongly infiltrated by capitalist interests, because Germany developed a 'new' form of supremacy (in Europe, globally) from the post-war period onwards, capitalist productivity seemed to become 'the possibility' of a 'finally positive conotation' of being German for the broad masses. It should not be forgotten that this policy of reappraisal/education in schools etc. was a condition for Germany to become 'free' again from the occupation of the Americans/Allies. Thus, the requirement of a culture of remembrance was also a quid pro quo for political and economic 'freedom' for Germany. I don't want to overemphasize the capitalist orientation itself, as it affects the entire industrial West, but the note that a publicly performed 'culture of remembrance' was a condition for regained state sovereignty.
Which you also need if, as a state interested in capitalism, you are dependent on the trust of other countries in order to pursue economic trade (in both senses of the word) and pacts. The Nazi generation had to be and was thus treated as eliminated [silenced], the descendants live in the newly illusioned idea of experiencing their Nazi ancestors only as harmless grandparents playing with their own children in the garden, repressing any real confrontation with the past or living with the new political agendas, taking the 'new values' for granted without having really learned how to deal with guilt. All the more disturbing must be any confrontation with the current reality that in many families, fascist ideas have been consigned to the crammed closet, which “annoyingly” does not clean itself out.
Why not dare to make a start in one's own biography of family history, which could possibly, as Arendt quotes Rilke, evoke 'indescribable transformations' of the most individual experiences, i.e. transformation phenomena. Instead of trying to solve the horror and shame in the commerce of movies and caricatures. For “as soon as we even begin to speak of things whose place of experience lies in the private and intimate, we place them in a realm in which they acquire a reality that they have not previously attained, regardless of the intensity with which they may have affected us” (H. Arendt, Vita Activa oder vom tätigen Leben, 1967).
These are principles that we know from psychotherapy approaches: Talk about what's bothering you, share your baggage, and maybe you'll feel better afterward. This beginning of work can probably only be started from the individual, but could help the collective to bear reality again.<
DE (Original Text)
Mein Senf
> die politisch, kulturell praktizierte Erinnerungskultur ist allerdings auch stark unterwandert von kapitalistischen Interessen, denn Deutschland ab der Nachkriegszeit entwickelte eine ‘neue’ Form der Vormachtstellung (in Europa, global), die kapitalistische Produktivität schien für die breite Masse ‘die Möglichkeit’ einer ‘endlich positiven Besetzung’ von Deutsch-sein zu werden. Man darf dazu nicht vergessen, dass diese Aufarbeitungspolitik/in der Bildung in Schulen etc. für Deutschland Bedingung war, damit sie wieder ‘frei’ von der Besetzung der Amis/Alliierten wurden. Somit ist das Gebot der Erinnerungskultur auch eine Gegenleistung für politisch, ökonomische ‘Freiheit’ für Deutschland gewesen. Ich will nicht die kapitalistische Ausrichtung selbst überbetonen, da sie den gesamten industriellen Westen betrifft, sondern die Notiz, dass eine öffentlich performte ‘Erinnerungskultur’ Bedingung für wiedergewonnene staatliche Souveränität war. Die man auch braucht, wenn man als kapitalistisch interessierter Staat auf das Vertrauen der anderen Länder angewiesen ist, um wirtschaftlichen Handel (im doppelten Sinne) und Pakt zu betreiben. Die Nazi-Generation musste und wurde damit als eliminiert behandelt [silenced], die Nachkommenschaft lebt in der neu illusionierten Idee, ihre Nazi-Vorfahren nur noch als harmlose Großeltern mit den eigenen Kindern im Garten spielend erlebend, jeder wirklichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verdrängend oder mit den neuen politischen Agenden aufgelöst lebend, die ‘neuen Werte’ als Selbstverständlichkeit angenommen, ohne den Umgang mit Schuld wirklich gelernt zu haben. Umso verstörender muss jede Konfrontation mit der aktuellen Realität sein, dass das faschistische Gedankengut in vielen Familien in die vollgestellte und blöderweise sich nicht von selbst ausmistende Abstellkammer versetzt wurde.
Warum nicht einen Anfang in der eigenen Biografie der Familiengeschichte wagen, die eventuell, wie Arendt Rilke zitiert ‘unbeschreibliche Verwandlungen’ individuellster Erfahrungen, also Verwandlungsphänomene hervorrufen könnte. Anstatt das Grauenhafte und Schamvolle im Kommerz von Kinofilmen und Karikaturen lösen zu wollen. Denn “sobald wir anfangen, von Dingen auch nur zu sprechen, deren Erfahrungsort im Privaten und Intimen liegt, stellen wir sie heraus in einen Bereich, in dem sie eine Wirklichkeit erhalten, die sie ungeachtet der Intensität, mit der sie uns betroffen haben mögen, vorher nicht erreicht haben” (H. Arendt, Vita Activa oder vom tätigen Leben, 1967).
Das sind Prinzipien, die wir aus Psychotherapie-Ansätzen kennen: Sprich darüber, was dich belastet, teile deinen Ballast mit, und vielleicht geht es dir danach besser. Dieser Anfang an Arbeit kann wohl nur von individuell erfolgen, könnte aber kollektiv helfen, Realität wieder zu ertragen.
Jay Phuhoi
says they can do without Bio